Joy Interview vom Januar 2003

"Ich bin süchtig nach Küssen"

Joy: Mussten Sie sich, wie in "Sweet Home Alabama", schon mal zwischen zwei Männern entscheiden?

Reese: Gott sei Dank noch nicht. Ich habe ja schon im Film genug gelitten. Ich bin eine treue Seele und habe immer brav einen Mann nach dem anderen geliebt.

Hatten Sie viele Lover?

(lacht) Das bleibt mein süßes Geheimnis. Aber ich kann sie noch an einer Hand abzählen.

Können Sie sich noch an Ihre erste große Liebe erinnern?

Klar, da war ich so um die 13 Jahre alt. Und er war auch in meinem Alter. Ich kann mich zwar nicht mehr an seinen Namen erinnern, aber er war ein ganz guter Küsser (lacht).

Mit 13 Jahren?

Warum nicht? Natürlich küsst man anders, je mehr Erfahrung man hat. Ich finde, dass Küssen oft unterschätzt wird. Ich bin total süchtig nach Zungenküssen - das gibt mir mindestens soviel wie Sex.

Sie sind seit drei Jahren mit dem Schauspieler Ryan Phillippe verheiratet...

...und wir haben eien dreijährige Tochter namens Ava. Sie ist mein ganzes Glück. Ich war zwar mit 23 Jahren noch etwas jung als ich sie bekommen habe, aber es war ein Fingerzeig Gottes, der mich testen wollte, ob ich diese große Verantwortung übernehmen könnte.

Wann haben Sie sich denn in Ryan verliebt?

Das war bei der Party zu meinem 21. Geburtstag. Ich weiß gar nicht, ob ich ihn überhaupt eingeladen hatte. Aber plötzlich stand er vor mir und ich fühlte mich wie elektrisiert. Zwei Jahre später waren wir verheiratet. Auch wenn wir manchmal richtig streiten - er ist mein bester Freund und eine große Stütze. Mit ihm zusammen fühle ich mich im Haifischbecken "Hollywood" viel sicherer.

War es leicht, als Mädchen vom Land in Hollywood Fuß zu fassen?

Ich war total verunsichert. Mit 15 sollte ich für "Cape Fear" vorsprechen. Als ich erfuhr, dass Robert DeNiro mitspielt, habe ich mich nicht mehr zu dem Termin getraut. Als ich mich dann mit 19 für den Film "Fear" aus meiner Heimatstadt Nashville nach Hollywood wagte, kam ich mir wie die letzte Hinterwäldnerin vor. Wo ich herkomme hatte niemand eine Ahnung, wer oder was Louis Vuitton ist. Ich habe mir damals fast alle Kleider aus dem Katalog eines Versandhauses bestellt.

Hört sich nach einer Art Kultur-Schock an...

Es war die Überdosis an Kultur-Schock! Dazu kann Hollywood sehr kalt sein - vor allem wenn man kein Star ist. Aber mittlerweile weiß ich, wie das Spiel gespielt wird und komme ganz gut klar.

Wie bringen Sie eigentlich Familie und Karriere unter einen Hut?

Ich bin gut im Organisieren. Gerade habe ich mit Ava meinen Mann bei Dreharbeiten in Wales besucht. Wenn ich einen Film mache, sind er und Ava bei mir. Ansonsten verbringen wir viel Zeit in unserem Haus in L.A.. Wie gehen selten aus. Mein Privatleben besteht meist nur aus Ava, Ryan und unseren zwei Hunden.

Sind Sie eifersüchtig?

Nein, ich vertraue Ryan blind.

Haben Sie sich noch nie in einen anderen Filmpartner verliebt?

Reese: Nein, nicht wirklich. Warum sollte ich auch, bei dem Mann, den ich habe?

Haben Sie beide etwa ein Geheimabkommen, dass Sie keine Sex-Szenen mit anderen vor der Kamera drehen?

(lacht) Wir würden es nicht mal mit uns selbst tun. Man wird uns beide nie nackt in einem Film sehen. Darauf stehen wir überhaupt nicht. Ich sehe mich auch nicht als Junkie, Serienmörderin oder Ehebrecherin auf der Leinwand. Ich will nicht, dass mich meine Tochter später in solchen Filmen sieht. Deshalb habe ich Sachen wie "Urban Legend" oder "Scream" nicht mitgemacht.

Sie gehören zu Hollywoods Superstars, seit Sie für den zweiten Teil von "Natürlich Blond" 15 Millionen Dollar-Gage bekommen haben...

...ich? Ich schwöre, ich habe noch nie soviel Geld auf einen Haufen gesehen (lacht). Abgesehen davon: Geld ist wirklich nicht alles. Geld, Ruhm, Schönheit - das ist mir alles zu oberflächlich. Was wirklich zählt, sind Liebe und innere Werte.

Stimmt es, dass Sie sich als Teenager hässlich vorkamen?

Ich fand mich definitiv nicht schön - oder gar attraktiv, meine runden Hüften habe ich bis heute noch. Ich war mehr auf der "Streberseite", habe viel gelesen und so. Ich finde, dass das Aussehen eines Menschen total überbewertet wird.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich bin ein durch und durch positiver Mensch. Ich respektiere und liebe die Menschen. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht zu vertrauensselig bin und alles glaube, was man mir erzählt.

Haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, Ihre blonden Haare schwarz zu färben?

Ich habe das einmal für einen Film gemacht und sah scheußlich aus. Selbst meine Mutter hat das gesagt. Ich mit schwarzen Haaren - nie wieder!