TV-Movie Artikel der 17. Ausgabe 2003
Gar nicht blond ...
Sechster Monat. Der Babybauch unübersehbar, ihre gute Laune überwältigend. Reese Witherspoon (27) strahlt vor Freude:
"Im Herbst ist es soweit. Aber fragen Sie mich bloß nicht nach dem genauen Datum", sagt sie lachend.
Beim zweiten Kind scheint das nicht mehr so wichtig.
Hauptsache, gesund.
Wir sitzen in ihrem Büro auf dem Gelände der Universal Studios in Los Angeles. "Type A Films" hat sie ihre Produktionsfirma selbstbewusst genannt.
Überall frische Blumen, moderne Möbel, und na klar, die Bonbonfarbe pink dominiert.
Fünf Angestellte gibts, und jede Menge Projekte.
Unterschätze nie eine Blondine
Reese Witherspoon ist das lebende Beispiel dafür. Schnappt angestammten Monopolistinnen des romantischen Komödien-Gewerbes wie Meg Ryan (41) oder Sandra Bullock (39) die Rollen weg, und selbst Julia Roberts (35) guckt verwirrt.
In nur zwei Jahren steigerte die junge Konkurrentin ihre Gage von einer auf 15 Millionen Dollar. Schoss 2001 raketengleich mit dem Überraschungserfolg "Natürlich Blond!" in den Starhimmel, schob gleich den Kassenhit "Sweet Home Alabama" hinterher und begeistert jetzt in "Natürlich Blond 2" (seit 24.7. im Kino), den sie selbst produziert hat.
Wieder schreiend pink aufgebrezelt, kämpft Junganwältin Elle Woods diesmal gegen Tierversuche. Mischt mit Chihuahua "Bruiser" im Louis Vuitton-Täschchen die Polit-Szene in Washington auf.
Das Publikum liebt sie
Weil sich hinter ihrer Barbie-Fassade Charme, Herzenswärme und Verstand vereinen.
Auch in natura ist die zierliche Arzttochter (1,57 Meter) aus Nashville/Tennessee ein kluges Persönchen.
Viel Ehrgeiz, präzise Karriereplanung. Von klein auf drängt sie mit der Energie eines Alphatieres vorwärts.
Erster Werbespot mit sieben, erster Film mit 14 ("Der Mann im Mond", jetzt neu auf DVD). Cheerleaderin, Klassenprimus, Fernsehauftritte. Kurzes Studium an der Elite-Universität Stanford. Nach einem Jahr Abbruch.
Grund: Paul Newman will sie für den Thriller "Im Zwielicht".
Nun möchte Reese es wissen. Siedelt nach Hollywood um und ist zunächst entsetzt.
Rüde Manieren
"Als Südstaatlerin bin ich sehr konservativ aufgewachsen. Oberstes Gebot: Höflichkeit, Pünktlichkeit, Disziplin. Aber hier sagen die Leute weder 'bitte' noch 'danke'. Sind oft arrogant, halten ihren Ruhm und Reichtum für selbstverständlich."
Sich anpassen? Nein. Reese bleibt ihrer Erziehung treu. Außen zuvorkommend, innen kämpferisch. Lehnt die Teenie-Welle und Horrorstreifen wie "Scream" vehement ab.
Dreht stattdessen anspruchsvollere Dramen wie "Eiskalte Engel", brilliert als machthungrige Intrigantin in "Election".
Dass sie sich derzeit auf kommerzielle Komödien verlegt hat, findet sie legitim.
"Die Skripts sind intelligent gemacht, komisch und unbeschwert. Und sie zeigen, dass Frauen nicht zwangsläufig doof sein müssen, wenn sie eine Schwäche für Klamotten und Make-Up haben."
Traummann zum Geburtstag
Schwächen hat Reese Witherspoon auch. Für Schuhe, Handtaschen, Tupperware. Aber vor allem für Töchterchen Ava (3) und Ryan Phillippe (28, "The Way of the Gun"), ihren Ehemann.
"Du bist mein Geschenk", platzte es aus ihr heraus, als sie den Beau bei der Party zu ihrem 21. Geburtstag zum ersten Mal traf. 1999 heirateten die zwei. Kurz darauf kam Ava auf die Welt. Ungeplant, doch herzlich willkommen.
"Ich bin leidenschaftlich gern Mutter."
Mama, Ehefrau, Job, drei Hunde, ein großes altes Haus, in dem dauernd was kaputtgeht - wie managt sie das?
"Alles eine Frage der Organisation", sagt sie, "Ryan hilft viel. Wir führen eine tolle Ehe."
Und sie arbeiten daran, damit das so bleibt. Sprechen Ärger sofort aus, gehen regelmäßig zum Therapeuten.
"Niemand ist perfekt. Wir sind normale Menschen mit ganz normalen Problemen."